Reisebericht der Stella Maris in Marmaris


Hallo,

dass wir geschrieben haben, ist mehr als einen Monat her. Was hat sich seitdem getan?

Nun, wir sind in zwei Tagen nach Marmaris gesegelt, davon einen wunderbaren Segeltag und einen unter Motor. Hier haben wir nach einigem Hin und Her einen Liegeplatz im Wasser erhalten und diesen schon mal bis Ende April gebucht und bezahlt. Als erstes haben wir aber einen uns empfohlenen Motorenmechaniker aufgesucht, dessen Werkstatt und seine Dokumentation über unseren alten Motor uns überzeugten. Auf sein Anraten hin ist der ganze Motor raus und wird generalüberholt.

Im Augenblick wird er wieder zusammengesetzt und in der Werkstatt neu eingefahren (etwa 5 Tage) danach wird er eingebaut dann von uns getestet.

Falls die Tests zeigen, dass keine Nacharbeiten notwendig sind, werden wir einen Flug nach Hause buchen, sonst wollen wir gleich noch die Mängel beseitigen lassen, bevor wir nach Hause kommen.

Was gibt es sonst noch zu berichten?

Wir haben einen neuen Bezug für den Bimini machen und eine Rollfockanlage installieren lassen, ein dazu gehöriges Segel bestellt, das aber erst im Frühjahr geliefert werden wird, einen Teppichladen gefunden, der uns einen neuen Teppich liefern könnte, viele Übeholungsarbeiten am Schiff ausgeführt (Wolfgang arbeitet an der Technik, ich an der Farbe, (vor allem zunaechst an der Innenseite der Aussenhaut unter dem Motor, die zu entfetten, zu reinigen, Rost zu kratzen und neu anzumalen war) und dann haben wir uns 11 Tage Urlaub vom Schiff gegönnt. Mit einem Mietauto sind wir zunächst ca 1.300 km nach Osten – nach Urfa – gefahren und haben dort eine 1995 begonne Ausgrabungsstätte besucht, die es bei unserem letzten Besuch in Urfa (1991) noch nicht gab. Auf dem Rückweg nach Marmaris haben wir uns dann Zeit gelassen und viele der Ruinenstätten aus hellenistischer und römischer Zeit und einige der Naturschönheiten besucht. Die Südküste der Türkei ist ausserdem mit gewaltigen Burganlagen aus dem Mittelalter und auch aus späterer Osmanischer Zeit übersät. Wir haben sie uns alle nur aus der Ferne angeschaut. An Naturschönheiten ist zu erwähnen, dass wir von der üppigen Vegetation der Südküste total überrascht waren. Die Berghänge der Küste sind kräftig bewaldet, die Küstenebenen werden intensiv landwirtschaftlich genutzt, davon grosse Flächen unter Glas oder Folie. In der einen Region gibt es riesige Bananenplantagen mit kleinen, sehr gut schmeckenden Früchten (um so erstaunlicher, dass wir etwa 500 km weiter westlich, hier in Marmaris fast nur die nach Nichts schmeckenden mittelamerikanischen Importfruechte bekommen), kurz danach kommt ein Abschnitt mit grossen Plantagen mit Zitrusfrüchten und auch Granatäpfeln.

An vielen Stellen in dieser Region kann man an kleinen Ständen frisch gepressten Granatapfelsaft erhalten, der sehr erfrischend schmeckt.

Bei unserem ersten Glas dieses Saftes in der Türkei erinnerten wir uns an unser erstes Glas Granatapfsaft überhaupt. Es war vor fast genau 30 Jahren in Bagdad. In einem schmalen Gang zwischen zwei Haeusern stand ein kleines Wägelchen mit Presse, einigen Gläsern und vielen Früchten. Es war abends, die Szene war nur mässig durch eine nahe Strassenlaterne beleuchtet, viel Saft der ausgedrückten Früchte lief am Wagen hinunter auf den Boden und dort drängelten sich in einer etwa 3 cm starken Schicht hunderte- vielleicht auch tausend – Kakerlaken! Es waren zwar nicht unsere ersten Kakerlaken, die wir sahen, aber der Massenauflauf war schon beeindruckend.

Nun, hier in der Türkei ist alles viel sauberer. Zu den besonderen Naturschönheiten gehörten noch eine Tropfsteinhöhle (viele Treppen rauf und runter – leichter Muskelkater) und der ewig brennende der Berg, die Heimat der Chimaere, einem Ungeheuer aus der griechischen Mythologie. Einer der Helden der Mythologie – Bellerophon – hat sie mit Hilfe des geflügelten Pferdes Pegasus töten können. Es war also nicht gefährlich, als wir uns bei stockdunkler Nacht (die Mondsichel war ganz schmal und leicht von Wolken verschleiert) auf den steilen Weg nach oben machten, für den wir ca. 25 Min. benötigten, um die ersten Feuer am Berghang zu erreichen. Aus dem Hang tritt bereits seit der Antike Erdgas aus, das sich irgendwann entzündet hat und nun so vor sich hin brennt. Man glaubt in einem riesigen Pfadfinderlager mit vielen Lagerfeuern zu sein.

Auf dem Weg hinunter hätte ich mir Pegasus gewünscht, der mich vielleicht hätte hinunterschweben lassen, aber nichts da, ich musste alles mit meinen etwas vom Muskelkater (Tropfsteinhöhle) geschädigten Waden selbst bewältigen.

Die Ruinenstätten in der Türkei, zumindest die, die wir an der Südküste besuchten, haben einen besonderen Charme. Wenn man Glück hat, sind die Zufahrten erschlossen, in Seleukia konnte man dies vom letzten Teil der Zufahrt nicht sagen, in kaum einem Fall sind aber die Ruinen erschlossen. Auf Trampelpfaden durch niedrigere mediterrane Vegetation bahnt man sich seinen Weg, oder man krakselt auf steilem unwegsamem Gelände von einer Ruine zur anderen, spärlich beschildert und sehr mühsam. Zu diesen besonderen Exemplaren gehörte vor allem Thermessos, unglaublich schön in einem Hochtal des Taurus gelegen, aber nach zwei Stunden anstrengender Kletterei hatten wir bedauerlicher Weise nicht das ganze Gelände erkunden können. Die Zeit lief uns davon. Andere Siedlungen, die in der Ebene lagen, liessen sich leichter erobern. In Phaselis z. B, einem kleinen Ort am Meer mit drei Häfen entdeckten wir dann im lichten Waldboden eine grosse Fläche voller blühender, kleiner, wilder Alpenveilchen. Das fiel uns ohnehin auf, hier beginnt jetzt die Regenzeit und überall am Wegesrand spriessen die Blätter der Zwiebelblumen, aber nur wenige Sorten blühten schon.

Am letzten Tag unserer Reise, an dem wir noch bei halbwegs trockenem Wetter einige der berühmten lykischen Felsengräber anschauten, begann es dann, sich einzuregnen und wir fuhren direkt nach „Hause“.

Seit knapp einer Woche sind wir wieder hier, haben die Überholungsarbeiten am Boot wieder aufgenommen und warten darauf, dass unser Motorchen wieder kommt. Wir konnten bei einem Besuch in der Werkstatt einen unserer alten Kolben besichtigen und wissen nun warum ein Zylinder nicht mehr arbeitete: Drei Kolbenringe sind gebrochen und an einer Stelle ist auch noch ein kleines Stück von dem Kolben heraus gebrochen.

Im Augenblick gibt es nichts weiteres Neues.
Sobald wir unsere Flüge gebucht haben, werden wir uns wieder melden.

Grüße von der Stella Maris

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